Die alten Berliner Haustafeln, die so iange Jahre in den Hauseingängen der Berliner Mietshäuser hingen, sind stille Zeugen ihrer Zeit. Sie erzählen von der Stadt, den Häusern, den Menschen und ihrenTräumen. Sie bewahrten auf ihren Oberflächen die zufälligen Spuren des täglichen Lebens, die sich ihnen mit der Zeit auftrugen und eingruben.
(574) Alte Berliner Haustafel (vorgefundener Zustand)
Im West-Teil Berlins blieb es den 70er und 80er Jahren vorbehalten, den Haustafeln, die in ihren Hauseingängen Nazis und Sozis, den Bombenkrieg, die Teilung und den Wiederaufbau überlebt hatten, durch staatlich subventionierte Sanierungsprogramme den endgültigen Garaus zu machen. Viele landeten auf dem Sperrmüll. Nach dem Fall der Mauer geschah ihnen Ähnliches im Ost-Teil Berlins. Diese Sanierungszeit in den 80er Jahren ist auch als "Hausbesetzerzeit" in die (West)Berliner Geschichte eingegangen.
(574) "Haus aufmachen!" Übermalte Berliner Haustafel, Holz 50 x 70cm
Kurz vor ihrem Verschwinden erlebten die Berliner Haustafeln noch ihre letzte Blüte. Die Haustafeln wurden als "Medium" neu entdeckt. Im Dienste ihrer vom Abriss bedrohten Häuser prangten die altehrwürdigen Mitteilungsbretter von kleinen, oft roten Klebezetteln, die den Widerstand gegen die beabsichtigte Totalsanierung propagierten. Die bunten Klebezettel wurden immer wieder abgerissen und neu überklebt. Das ergab ein lustiges Durcheinander.Als letzte Schicht einer ganzen historischen Epoche hinterließ der sog. "Häuserkampf" ein buntes Sediment auf den zeitlos schwarzen Tafeln, bevor sie im Schutt ihrer eigenen Häuser begraben wurden.
(626) "Mr. Free & Mrs. Death" Mischtechnik auf Holz, 40 x 50cm
Ausschnitte
(577) "Neueste Mitteilungen" Mischtechnik auf Berliner Haustafel, 28 x 41cm, 1987
(577) Ausschnitt
(623) "Statt Sa(h)nierung Reparatur" Mischtechnik auf Berliner Haustafel, 43x64cm