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Berliner Haustafeln 1. Teil  1977 - 1981

Zyklus von 26 Tafeln

Der "Stille Portier" ist ein "Schwarzes Brett" für Mitteilungen aller Art, eine sogenannte "Haustafel" aus den Hauseingängen der Alt-Bauten in unserer Stadt. Lange Jahre, sogar Jahrzehnte, hing er dort, ein stiller Zeuge des täglichen Lebens, das seine Spuren auf ihm hinterließ: ..Leimspuren längst vergessener Plakate, kleine Klebezettel, immer wieder abgerissen und neu überklebt..., ganze Sternbilder schwarzer Löcher, von unzähligen Reißzwecken gebohrt..., Schlüsselzeichen, hastig eingeritzt von Kinderhand. Die Zeit, das Leben hinterlässt Narben... wer Augen hat, zu sehen und ein wenig Phantasie, kann vielleicht die Zeichen entschlüsseln und die Geschichten lesen, die der Stille Portier uns heimlich überliefert.


Katalog Der Stille Portier.pdf
   

Alle Stillen Portiers.pdf

Copyright auf alle Abbildungen: Adrian Schacker 2010

"Wie ein Dieb in der Nacht"

(145) "Der Stille Portier wie ein Dieb in der Nacht", 50 x 63cm, Mischtechnik auf Berliner Haustafel (Holz)

Das Parteibüro brennt

(150) "Das Parteibüro brennt!"  Mischtechnik auf Holz, 65 x 75cm, 1977 

Zur schönen Jahreszeit

(203) "Der Stille Portier zur schönen Jahreszeit", 44 x 48cm, Mischtechnik auf Holz, 1978,  Sammlung P. F. Stephan, Berlin


(157) "Die seltsame Pumpstation: Blut, Schweiß und Tränen"  32 x 55cm, Mischtechnik auf Holz, 1977, Sammlung Thomaschky, Berlin


(394) "Der Stille Portier in der Maserung des Holzes" Mischtechnik auf Berliner Haustafel, Holz, 35,5 x 52,5cm, 1981

Der Stille Portier

Ich wohnte damals schon ein paar Jahre im "Kiez", im ältesten Viertel von Charlottenburg, zwischen Schloss und Kaiserdamm, hatte aber noch nie etwas vom "Stillen Portier" gehört.

Aber eines Nachts, es war 5 vor 12, besuchte er mich unterm Dach im 4. Stock, ganz überraschend, wie ein Dieb in der Nacht. Er hüllte mich in seinen schwarzen Kosmos-Mantel, an dessem Innenfutter hell die Sterne glänzten. Er zeigte mir das große Haus, das Weltall, und mitten darin das kleine Haus, unsere Erde. Bald sah ich deutlicher: Helden und Narren im Kampf um die Sonne.., ich hörte Sprechchöre von Tonbandgeräten und sah die Verwirrung nach der großen Rede. Eine Menge Leute rennt schreiend durch die Straßen. Das Kuckucksei! Das Kraftwerk! Aufruhr, Blitze in der Nacht...das Parteibüro brennt!

Ich sah die Zeit wie einen doppelt und dreifach belichteten Film an meinen Augen vorüber ziehen. War es Vergangenheit? War es Zukunft? War es die Gegenwart? Was ist Zeit?

Der Stille Portier ist Zeuge. Er ist vor der Mauer, hinter der Mauer. Er geht ums Karree und tut keinem weh. Er schaut in die Nacht und sieht das Sternbild der Freunde.

Dies ist ein offenes Haus mit vielen Türen. Der Stille Portier kennt sie alle. Er bewacht auch das "Osmose-Tor", und wenn Du da hindurch gehst, betrittst Du seinen Garten, sogar, wenn Du zufällig an der Kantstraße bist. Auf Regen brauchst Du da nicht zu warten, denn dort herrscht immer die schöne Jahreszeit. Wie einst im Mai! Und wenn Du genau hinschaust, entdeckst Du den Stillen Portier in der Maserung des Holzes

©1981 Text unter Verwendung der Bildtitel des Zyklus. (Bildtitel kursiv)


Hinterhof in Berlin-Charlottenburg, 1977